Chirurg DOI 10.1007/s00104-016-0288-9 @ Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016
CrossMark
H. Dralle
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Sektion Endokrine Chirurgie Medizinisches Zentrum 2. OG, Raum 2005, Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
Kein Vorteil für adjuvante Mitotanetherapie nach Adrenalektomie beim Nebennierenrindenkarzinom
Originalpublikation
Postlewait LM, Ethun CG, Tran TB et al (2016) Outcomes of adjuvant Mitotane after resection of adrenocortical carcinoma: a 13- institution study by the US Adrenocortical Carcinoma Group. J Am Coll Surg 222:480-492
Hintergrund und Fragestellung. Ne- bennierenrindenkarzinome (ACC) sind selten, haben selbst bei kurativ inten- dierter Resektion nur eine 5-Jahres- Überlebensrate von ca. 40-55 % und es gibt bislang nur wenig überzeugende Ergebnisse zur adjuvanten Radiatio oder zytotoxischen Chemotherapie beim re- sektablen ACC. Seit 1960 ist bekannt, dass Mitotane (o,p’DDD) einen zytoto- xischen Effekt auf die Nebennierenrinde ausübt und beim metastasierten ACC erfolgreich eingesetzt werden kann. Die Datenlage hinsichtlich des Effektes von Mitotane in der adjuvanten Situation ist jedoch uneinheitlich, sodass das Ziel der vorgelegten multizentrischen Studie war, zu prüfen, ob Mitotane in der adju- vanten Situation das rezidivfreie (RFS) und Gesamtüberleben (OS) verbessert und damit angesichts der nicht uner- heblichen Nebenwirkungen empfohlen werden kann.
Material und Methoden. An der Studie nahmen 13 akademische Institutionen der US ACC-Study Group teil. Patien- ten, die zwischen 1993 und 2014 wegen eines ACC adrenalektomiert worden wa- ren, wurden in die Studie eingeschlossen,
wenn eine kurative Resektion durchge- führt wurde.
Ergebnisse. Es erhielten 88 Patienten Mitotane, 119 nicht. Mitotane wurde vor allem dann gegeben, wenn Hormonak- tivität bestand (58 vs. 32 %, p = 0,001), höhere Tumorstadien vorlagen (Stadi- um 4: 42 vs. 23 %, p = 0,021) und eine adjuvante Chemotherapie oder Radiatio erfolgte. Bei 32 Patienten wurde der Mitotaneplasmaspiegel bestimmt, er lag bei 15 Patienten über, bei 17 Patienten unter 14 mg/L. Zusammengefasst ergab die Studie folgende Resultate:
- Es bestand kein Unterschied in den Rezidivraten und der Art der Rezidive zwischen den Patienten mit und denen ohne Mitotanetherapie.
- Multivariat ergab sich für Mitotane im Gegensatz zu anderen Faktoren (R-Status; TNM-Stadium; Chemo- therapie) kein unabhängiger Einfluss auf das RFS oder OS.
- Der fehlende Vorteil für adjuvante Mitotanetherapie bestätigte sich auch dann, wenn die Patienten, die eine Chemotherapie anstelle oder kombiniert mit Mitotane erhalten hatten, ausgeschlossen wurden.
- Mitotane war auch in den Sub- gruppen mit entweder hohem oder niedrigem Risiko nicht mit einem verbesserten RFS oder OS assoziiert.
Kommentar
Auf Grundlage dieser multizentrisch re- trospektiven Studie ist Mitotane nicht in der Lage, den Einfluss anderer Faktoren wie Tumorstadium, R-Status, Chemothe- rapie zu beeinflussen und ein günstigeres RFS bzw. OS zu ermöglichen. Insbeson- dere die Interaktion von Chemotherapie und Mitotane war in bisherigen Studi- en ein Problem, beide Faktoren vonein- ander trennen zu können. Anstelle des retrospektiven Studiendesigns mit nicht sehr hoher Patientenzahl in den Subgrup- pen und etwa der Hälfte der Patienten mit nicht ausreichenden Mitotaneplas- maspiegeln sollten - trotz der Seltenheit dieser Karzinome - prospektive Studien geplant werden, um endlich zu praxisre- levanten Empfehlungen bzgl. der Mito- tanetherapie zu kommen.
Korrespondenzadresse
Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. H. Dralle, FACS, FRCS, FEBS
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie Sektion Endokrine Chirurgie Medizinisches Zentrum 2. OG, Raum 2005, Universitätsklinikum Essen Hufelandstr. 55, 45147 Essen, Deutschland Henning.Dralle@uk-essen.de
Interessenkonflikt. H. Dralle gibt an, dass kein Inter- essenkonflikt besteht.